Demenz: Bessere Versorgung bleibt das oberste Ziel

Demenzerkrankungen zählen zu den drängendsten Gesundheitsproblemen: Aktuell sind weltweit über 47 Millionen Menschen betroffen, bis 2050 könnten es sogar 131 Millionen sein. Auch in Deutschland stehen Medizin und Gesellschaft vor großen Aufgaben. Zum Welt-Alzheimertag ruft DGPPN-Präsident Professor Arno Deister deshalb dazu auf, Demenzerkrankungen mit ganzheitlichen Versorgungsansätzen zu begegnen.

In Deutschland leben heute 1,6 Millionen Menschen mit einer Demenz, etwa zwei Drittel davon mit der Alzheimer-Demenz. Hinter diesen Zahlen stehen nicht nur schwere Schicksale für die Betroffenen und ihre Angehörigen, diese Erkrankungen fordern auch die Solidargemeinschaft enorm. Laut der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamtes kostet die Behandlung der Demenzpatienten mehr als 9 Milliarden Euro im Jahr, das sind rund 4 Prozent der gesamten bundesweiten Krankheitskosten. 

Besonders besorgniserregend dabei ist, dass nur etwa die Hälfte der Demenzerkrankungen als solche erkannt werden, weniger als die Hälfte der Patienten erfährt eine leitliniengerechte Behandlung. Zwar ist Demenz derzeit nicht heilbar, aber es existieren zunehmend therapeutische Möglichkeiten, um die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verzögern. Umso wichtiger ist es, dass diese Therapieoptionen bei den Patienten ankommen. Insbesondere psychosoziale Interventionen müssen noch besser in das Versorgungssystem implementiert werden, ihre Wirksamkeit ist klar nachgewiesen. Politik und Selbstverwaltung müssen deshalb die Anwendung effektiver und hilfreicher Verfahren in der Versorgung stärken. Das gilt auch für den Bereich der Krankheitserkennung, wo kognitive Leistungsdiagnostik und bildgebende Verfahren noch zu selten zum Einsatz kommen. 

Mit Blick auf die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung muss aber auch die Prävention stärker in den Fokus rücken. Wir gehen davon aus, dass in Deutschland fast jede dritte Demenzerkrankung vermieden werden könnte, wenn wir bestimmten Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht, aber auch Depressionen frühzeitig entgegenwirken. Doch auch starkes Übergewicht im mittleren Lebensalter, mangelnde körperliche Aktivität und Nikotinkonsum erhöhen das Erkrankungsrisiko. Ganzheitliche, demenzsensible Versorgungsansätze mit dem richtigen Mix aus Prävention, Diagnostik und Therapie sind deshalb unverzichtbar.“

Weltkongress der Psychiatrie in Berlin 

Lassen sich Demenzen mit Hilfe von Biomarkern schon bald vorhersagen? Welche neuen Wirkstoffe gegen Alzheimer hat die Forschung in der Pipeline? Und wie profitieren die Patienten von psychosozialen Interventionen? Vom 8. bis 12. Oktober 2017 trifft sich auf dem Weltkongress der Psychiatrie in Berlin die internationale Forscherszene im Bereich der psychischen Gesundheit. Journalistinnen und Journalisten können sich ab sofort online für den Kongress akkreditieren

DGPPN-Pressestelle
Reinhardtstraße 27 B
10117 Berlin

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Suizide lassen sich verhindern

Welttag der Suizidprävention am 10. September 2017

Jedes Jahr nehmen sich weltweit mehr als 800.000 Menschen das Leben. Unter den 15- bis 29-Jährigen sind Suizide heute sogar die zweithäufigste Todesursache. Anlässlich des Welttages zur Suizidprävention ruft DGPPN-Präsident Professor Arno Deister deshalb dazu auf, der Prävention von Suiziden höchste Priorität beizumessen.

„Alle 40 Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Mensch an Suizid. Noch weit mehr Menschen versuchen sich das Leben zu nehmen. Suizide treten in allen Altersstufen auf und verursachen mehr Tode als alle Kriege und Naturkatastrophen zusammen. In vielen Ländern ist die Suizidrate dramatisch hoch und liegt bei über 20 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Die jüngsten Statistiken der WHO machen betroffen und zeigen, dass die Suizidprävention im Gesundheitswesen einen noch größeren Stellenwert einnehmen muss. Denn Suizide lassen sich verhindern: In Deutschland stehen bis zu 90 Prozent der Suizide in Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung, für die es effektive Therapien gibt. Umso wichtiger ist es, dass für die Betroffenen bundesweit niedrigschwellige Hilfs- und Unterstützungsangebote bereitstehen. Noch ist dies nicht ausreichend der Fall: So zeigen aktuelle Erhebungen, dass zum Beispiel 18 Prozent der Menschen mit schweren Depressionen gar nicht behandelt werden.

Gleichzeitig müssen wir auch das Wissen über Suizid und psychische Erkrankungen im Gesundheitswesen und in der Bevölkerung fördern. Denn den meisten Suiziden gehen Warnsignale voraus. Je besser diese erkannt werden, desto früher kann man die Betroffenen dazu ermutigen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Um Suizide zu verhindern, müssen wir aber auch mehr über deren Ursachen erfahren und die Forschung intensivieren. Noch gibt es viele offene Fragen, zum Beispiel was die Neurobiologie suizidalen Verhaltens anbelangt. Suizidprävention kann nur gelingen, wenn ihr Politik, Wissenschaft und Gesellschaft höchste Priorität beimessen.

Das Thema bildet deshalb auch einen Schwerpunkt auf dem Weltkongress der Psychiatrie, der vom 8. bis 12. Oktober in Berlin stattfindet. Nationale und internationale Experten beleuchten den aktuellen Forschungsstand, diskutieren Präventionsansätze und zeigen Perspektiven für den psychiatrisch-psychotherapeutischen Alltag auf.“

Weltkongress der Psychiatrie in Berlin

Können sich Stress und Angst in das menschliche Erbgut einbrennen? Kommt die moderne Bildgebung schon bald den Ursachen vieler psychischer Erkrankungen auf die Spur? Welche Chancen bieten Apps bei der Therapie von Depressionen? Vom 8. bis 12. Oktober 2017 trifft sich auf dem Weltkongress der Psychiatrie in Berlin die internationale Forscherszene auf dem Gebiet der psychischen Gesundheit. Journalistinnen und Journalisten können sich ab sofort für den Kongress.

DGPPN-Pressestelle
Reinhardtstraße 27 B
10117 Berlin

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