Deutsch-Nigerianische Energiepartnerschaft: „Nachhaltige Energiewende in Nigeria unterstützen“

Anlässlich des heutigen Besuches von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Nigerias Hauptstadt Abuja erklärt Lili Fuhr, Referentin für Internationale Umweltpolitik der Heinrich-Böll-Stiftung:

„Deutschland gilt seit dem verbindlichen Beschluss der Bundesregierung zum Atomausstieg weltweit als Vorreiter für eine nachhaltige Energiewende. Eine wahre Energiepartnerschaft zwischen Nigeria und Deutschland sollte sich auf Erneuerbare Energien und Energieeffizienz konzentrieren und einen Beitrag zum Umbau einer fossilen und extraktiven Wirtschaft hin zu einer nachhaltigen und gerechteren Wirtschaft leisten.“

Christine K, Büroleiterin der Heinrich-Böll-Stiftung in Abuja, ergänzt: „Der Weg hin zu einer CO2-armen und nachhaltigen Entwicklung, die die Lebensverhältnisse der Ärmsten verbessern würde, ist ein noch unbetretener Pfad, den beide Länder gemeinsam beschreiten sollten – zum Wohle ihrer Bevölkerung und der globalen Umwelt.“ Das Nigeria-Büro der Heinrich-Böll-Stiftung arbeitet seit 2004 zum Thema Erneuerbare Energien. Zielgruppe ist die ländliche Bevölkerung, die nicht an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen ist.

Godwin Ojo, langjähriger Projektpartner der Heinrich-Böll-Stiftung in Nigeria und Programmdirektor der NGO „Environmental Rights Action“ („Friends of the Earth Nigeria“) kritisiert die einseitige Ausrichtung der Deutsch-Nigerianischen Energiepartnerschaft auf Erdgas und Export: „Eigentlich sollten die Ölfirmen das Erdgas verwenden, das ohnehin als Beiprodukt bei der Erdölförderung austritt, und damit gleichzeitig das klima- und gesundheitsschädliche Gas Flaring (Verbrennen des Gases) vermeiden. Gas Flaring macht Nigeria zu einem der großen Emittenten von CO2. Dabei könnte es sehr einfach reduziert werden – mit positiven Effekten für menschliche Gesundheit und Luftqualität. Doch dies geschieht nicht, es wird sogar zusätzliches Gas für den Export produziert. Besonders deutlich wird dies bei der Gasverflüssigungsanlage auf der nigerianischen Insel Bonny Island, wo es definitiv nicht um eine Verbesserung des Energiezugangs für die örtliche Bevölkerung geht. Was hat Nigeria von einer Energiepartnerschaft mit Deutschland, die die existierende, exportorientierte und entwicklungsunfreundliche lokale Wirtschaft nur verstärkt?“

Bislang sieht die Deutsch-Nigerianische Energiepartnerschaft vor, dass deutsche Firmen in die Energieinfrastruktur Nigerias investieren. Deutschland erhält dafür Zugang zu den Erdgasreserven des Landes. Nigeria ist der größte afrikanische Erdgasproduzent. Trotzdem haben viele Nigerianer/innen – insbesondere in den ländlichen Regionen – bis heute keinen Zugang zu Elektrizität. Stromausfälle und Benzinknappheit gehören landesweit zum Alltag. Das Erdgas, das Nigeria produziert, wird hauptsächlich exportiert – mit lediglich marginalem Nutzen für die Gemeinden, in denen das Erdgas gefördert wird.

Die NGO „Environmental Rights Action“ („Friends of the Earth Nigeria“) engagiert sich seit Jahren im Kampf gegen die Ölkonzerne im Niger Delta, gegen Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der Umwelt.

Mehr Infos zum Thema im Blog „Klima der Gerechtigkeit“ auf:
Fachkontakt und Interviews:
Lili Fuhr, Referentin für Internationale Umweltpolitik, Email fuhr@boell.de
Karoline Hutter, Heinrich-Böll-Stiftung, hutter@boell.de
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Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. Unternehmenssozial„Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit zu integrieren.
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