Risiko von Magen-Darm-Störungen bei Frauen größer als bei Männern

Wien, 28. Juli 2011: Europaweit stehen Frauen im Scheinwerferlicht der Medizin, seit Besorgnis erregende Statistiken bei Frauen höhere Raten vieler Magen-Darm- Störungen belegen als bei Männern. Im Namen der United European Gastroenterology Federation (UEGF) ruft Frau Professor Nurdan Tözün von der Medizinischen Fakultät der Acibadem-Universität in der Türkei daher zu besserer Gesundheitserziehung, besserem Zugang zu medizinischer Versorgung und einem stärkeren Bewusstsein für die Notwendigkeit von Screenings und Prävention bei jungen Frauen auf. „Den gesundheitlichen Problemen des Magen-Darm-Trakts bei Frauen kommt höchste Priorität zu“, so Prof. Tözün. „Frauen haben ein höheres Risiko, bestimmte Krankheitsbilder zu entwickeln und sind von diesen darüber hinaus stärker betroffen als Männer. Fast 60 % aller Patienten mit Magen-Darm- Erkrankungen sind Frauen und das gibt Anlass zu großer Sorge.“ Die Belege mehren sich, dass Frauen ein höheres Risiko tragen als Männer, an verschiedenen gastrointestinalen Störungen zu erkranken, darunter Gallensteinen, dem Reizdarmsyndrom, Verdauungsstörungen, Zöliakie, chronischer Verstopfung und Autoimmunerkrankungen der Leber. Bei Männern wiederum ist das Risiko von Analfisteln, Leberkrebs und einer anderen Lebererkrankung, der primär sklerosierenden Cholangitis, höher. Die Gründe für diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind unklar. Man geht jedoch davon aus, dass Geschlechtshormone, genetische und soziale Faktoren sowie die Lebensweise alle in irgendeiner Weise dazu beitragen. „Frauen leben im Durchschnitt sechs bis acht Jahre länger als Männer“, so Prof. Tözün. „Allerdings gibt es in einigen Regionen der Welt eine Reihe gesundheitlicher und sozialer Faktoren, die die Lebensqualität von Frauen beeinträchtigen und ihnen nicht den gleichen Zugang zu Informationen, medizinischer Versorgung und grundlegender Gesundheitsfürsorge gewähren wie Männern. Alle diese Faktoren tragen zum höheren Gesundheitsrisiko von Frauen bei.“ Körperliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen Der Magen-Darm-Trakt weist bei Männern und Frauen zahlreiche physische Unterschiede auf, die die Unterschiede im Gesundheitsrisiko zumindest teilweise erklären. Frauen nehmen die Geschmacksrichtungen bitter und süß stärker wahr als Männer und der weibliche Darm ist allem Anschein nach sensibler, so dass er stärker auf Stimulation, zum Beispiel durch Reizstoffe, reagiert. Die Magenentleerung dauert bei Frauen länger als bei Männern, was die größere Häufigkeit der Symptome von Verdauungsstörungen (z. B. Übelkeit, Blähbauch, Völlegefühl und sonstige Bauchbeschwerden) bei Frauen erklären kann. Bei Frauen dauert auch die Dickdarmpassage länger und sie leiden häufiger unter Verstopfung als Männer. Der Pressdruck des Afterschließmuskels ist bei Frauen geringer als bei Männern, was zu Stuhlinkontinenz führen kann – einem Problem, das in vielen Fällen verschwiegen oder verschleiert wird. Auch bei Leber und Galle gibt es laut Prof. Tözün Geschlechtsunterschiede, die die Frauen einem größeren Risiko bestimmter Erkrankungen aussetzen. „Bestimmte Lebererkrankungen treten ausschließlich bei Frauen auf, zum Beispiel schwangerschaftsbedingte Lebererkrankungen. Andere sind bei Frauen häufiger als bei Männern, darunter primäre Gallenzirrhose und autoimmune Hepatitis“, so Prof. Tözün. „Bei Frauen ist die Gefahr einer alkoholbedingten Lebererkrankung viel höher. Schon bei 20 g Alkohol pro Tag besteht bei Frauen ein signifikantes Zirrhoserisiko. Bei Männern dagegen liegt der kritische Wert bei 40 bis 60 g oder sogar darüber.“ Frauen und Dickdarmkrebs Insgesamt ist das Dickdarmkrebsrisiko bei Frauen geringer als bei Männern. In der Altersgruppe bis 55 Jahren jedoch ist das Risiko bei Frauen höher. Die Einnahme von Hormonen schützt Frauen allem Anschein nach vor Dickdarmkrebs, wobei orale Verhütungsmittel das Risiko bei Frauen vor den Wechseljahren um etwa 20 %, Hormone nach der Menopause das Risiko bei älteren Frauen sogar um 40 % senken. Bedauerlicherweise jedoch, so Prof. Tözün, nehmen Frauen seltener an Darmkrebs- Screenings teil als Männer. Der Anteil liegt weit unter dem der Vorsorgeuntersuchungen auf Brust- oder Gebärmutterhalskrebs. „Frauen sollten sich unbedingt an die aktuellen Richtlinien halten und sich ab 50 auf Darmkrebs untersuchen lassen – im Fall einer familiären Vorbelastung sogar früher.“ Frauen und der EHEC-Ausbruch in Europa Von der Durchfall- und HUS-Epidemie (HUS – hämolytisch-urämisches Syndrom) in Deutschland und anderen europäischen Ländern, ausgelöst durch enterohämorrhagische E. coli-Bakterien (EHEC), waren Frauen in unverhältnismäßig hohem Maß betroffen. Laut einem Bericht im New England Journal of Medicine waren in Deutschland etwa 68 % der HUS-Patienten und etwa 59 % der mit E. coli infizierten Durchfallpatienten weiblich und unter den tödlich verlaufenden Fällen in beiden Gruppen waren Frauen mit circa 78 bzw. 58 % vertreten. Die Fachleute wissen nicht, wo die Ursache dieses Geschlechtsunterschieds liegt. „Es ist durchaus möglich, dass Frauen einfach deshalb stärker von der Epidemie betroffen waren als Männer, weil sie sich besser ernähren und mehr Salat und Gemüse essen“, vermutet Prof. Tözün. Lebensweise und soziale Faktoren Prof. Tözün vertritt die Ansicht, dass Lebensweise und soziale Faktoren weiterhin eine Rolle bei der Entwicklung gastrointestinaler Störungen bei Frauen spielen. Essstörungen, mangelnde körperliche Bewegung, Alkohol- und Tabakkonsum sowie eine Tendenz zu Übergewicht oder Fettleibigkeit bei Frauen über 40 tragen möglicherweise alle zum Risiko von Magen-Darm- oder Lebererkrankungen bei. „Die Verbesserung des Gesundheitszustands von Frauen trägt zu einem besseren Gesundheitszustand künftiger Generationen bei. Daher sollten wir unsere Anstrengungen in der Gesundheitserziehung und bei anderen Maßnahmen auf junge Mädchen konzentrieren und diese über die Gefahren von Tabak und Alkohol sowie über die Wichtigkeit körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung aufklären.“

Kontakt impressum health & science communication Robin Jeganathan Haus der Seefahrt, Hohe Brücke 1 20459 Hamburg, Deutschland

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Corporate Social Responsibility (CSR) bzw. Unternehmenssozial„Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit zu integrieren.
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